Stiftung PROGR

Stiftung PROGR
Stiftung PROGR
Stiftung PROGR
Stiftung PROGR

Über uns

Der PROGR ist ein Atelierhaus und Begegnungsort im Zentrum der Stadt Bern. Mehr als 200 Künstlerinnen und Künstler aus allen Sparten produzieren Kunst in 70 Räumen. Sie arbeiten Tür an Tür zusammen mit Kulturinstitutionen und Veranstaltern im Haus. In der öffentlichen Zone im Erdgeschoss finden Ausstellungen und Konzerte statt. Treffpunkt im PROGR sind zwei Gastrobetriebe.

Stiftungszweck

  • Förderung von zeitgenössischem Kulturschaffen, indem günstige Arbeitsräume für Künstler*nnen aller Sparten zur Verfügung gestellt werden.
  • Zu diesem Zweck Übernahme der Liegenschaft am Waisenhausplatz 30 im Baurecht.
  • Sanierung und Unterhalt des Gebäudes.
  • Professionelle und nachhaltige Bewirtschaftung desselben.

Finanzierung

Das Kapital für den Kauf des Gebäudes stammt zum grössten Teil von einer Schenkung von Dr.h.c. Hansjörg Wyss (2 Mio CHF) sowie einer Gruppe von rund hundert Darlehensgebern. Der Betrieb des Kulturzentrums wird ausschliesslich mit den Mietzinseinnahmen finanziert (rund 1 Mio CHF) und erhält keine städtischen Gelder. Die Stiftung PROGR verzichtet bewusst auf weitere Fördergelder, um nicht in Konkurrenz zu stehen mit den Anträgen von Veranstaltern und Künstlern im Haus.

Die Stiftung PROGR ist steuerbefreit.

v.l.n.r: Sabine Mommartz (Musikerin), Thomas D. Meier (Präsident, Rektor ZHdK), Sibyl Matter (Anwältin, Notarin, Mediatorin), Nicolette Kretz (Autorin, Text-Performerin, Dramaturgin, Theaterkritikerin), Corinne Kuenzli (Filmemacherin), Günther Ketterer (Immobilientreuhänder, Kunstsammler), bis 2018 Zimoun (Künstler). Nicht auf dem Foto: Ronny Hardliz (Künstler), Hansjörg Wyss (Unternehmer).
© Martin Bichsel

Stiftungsrat

Der Stiftungsrat setzt sich aus Künstlerinnen und Künstlern, Fachpersonen und Partnerinstitutionen zusammen ( 5 bis 9 Mitglieder). Die Mehrheit sind Künstlerinnen und Künstler.

PROGR-Leitung

Ein vierköpfiges Team verantwortet den reibungslosen Betrieb im Atelierhaus im Auftrag des Stiftungsrates PROGR.

Silvia Hofer
Geschäftsleitung

+41 (0)31 318 82 70

Urs Emmenegger
Veranstaltungen

+41 (0)31 318 82 74

Ramon Stricker
Hauswart

+41 (0)79 834 16 32
-> für verlorene Gegenstände bitte direkt bei den Veranstalter nachfragen

Arife Terziu
Raumreinigung

Gesch­ichte

Vor dem Atelierhaus
1785—2004

Das Gelände, auf dem heute der PROGR steht, wurde in den 1780-er Jahren erstmas bebaut. Das damalige Gebäude diente zuerst als Spitalkornhaus für das Burgerspital und wurde zwischen 1789 und 1881 zeitweise als Kaserne umgenutzt. Zeitweise stand es gar leer.

1848 wurde Bern zur Bundeshauptstadt gewählt und wurde wenig später an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Mit dieser Entwicklung – dem Bevölkerungswachstum und der Industrialisierung – stiegen die Ansprüche an schulische Infrastruktur in der Stadt. So wurde 1881 entschieden, das Burgerspitalkornhaus abzureissen.

Auf dem Areal am Waisenhausplatz 30 plante man stattdessen ein neues Gebäude für das städtische Gymnasium wie auch für eine Primarschule für Knaben und Mädchen. Den Wettbewerb gewann das Projekt «Einfach» von Architekt Koch-Abegg, die Ausführung übernahm Eugen Stettler. 1885 konnte das neue Gebäude bezogen werden.

1926 zog das Gymnasium in einen Neubau im Kirchenfeldquartier. Doch das Schulhaus wurde von der Primarschule und vom Untergymnasium (Progymnasium oder auch Proger) weiter genutzt. Ab 1965 wurden frei werdende Räume von der Töchterhandelsschule (Wirtschaftsmittelschule) und der Berufsmittelschule, von der Gewerblich-Industriellen Berufsschule Bern und der Berufsschule für Verwaltung sowie anderen Schulen belegt.

Zwischennutzung
2004—2007

Im Sommer 2004 wurde klar, dass die Schulen aus dem Gebäude des ehemaligen Progymnasiums ausziehen würden. Man plante auch den Beginn des Umbaus des Progers für den Sommer 2006 – künftig sollte im Gebäude die Abteilung Gegenwartskunst des Kunstmuseums Bern beheimatet sein. Damit öffnete sich ein Zeitfenster von zwei Jahren. Warum sollte dieses nicht kulturell genutzt werden – und einen Ort auf Zeit zu öffnen, an dem Kunst entstehen kann? Die Idee "PROGR" war geboren. Christoph Reichenau, damaliger Kultursekretär der Stadt Bern, hatte zum Ziel, die Produktionsbedingungen für Kunst in Bern weiter zu verbessern, die Vermittlung zu stärken und die Vernetzung in der Berner Kulturszene zu intensivieren. Den Auftrag zur Zwischennutzung gab sich die Stadt Bern also selber. Die Forderung kam also nicht aussen. 

Es folgte eine «berauschende Hektik» (Christoph Reichenau). Das Konzept für die Umsetzung wurde ausgearbeitet, ein Betriebsteam gebildet, Räume übernommen, Ateliers ausgeschrieben und Mietverträge ausgestellt. Ende August 2004 waren die Ateliers vermietet, im Oktober des gleichen Jahres zogen die ersten Kulturschaffenden ein. Hundert Tage nach der Schliessung des Schulhauses Proger blühte der PROGR neu auf. Kulturschaffende gestalteten ihren eigenen Ort. Gemeinsam nahmen sie das Haus in Beschlag. Bald wurde spürbar, welch geballte Ladung an Kompetenz, Qualität und Kreativität versammelt war.

Im November 2004 wurde bekannt, dass das Projekt der Abteilung Gegenwartskunst des Kunstmuseums Bern aus finanziellen Gründen gescheitert war. Nach der kulturellen Zwischennutzung musste also eine neue definitive Nutzung gefunden werden. Um genügend Zeit zu haben, verlängerte die Stadt Bern die kulturelle Zwischennutzung des PROGR um weitere drei Jahre bis Ende Juli 2009.

Kaum jemand hätte beim Start gedacht, dass sich das Provisorium unter der Leitung von Beate Engel, Katrien Reist und Eva Winkler (Abteilung Kulturelles der Stadt Bern) mit seiner Kombination aus Ateliers, Institutionen und einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm zu einem Vorzeigebeispiel für direkte Kulturförderung entwickeln würde. Der PROGR war eine Baustelle, die sich ständig veränderte. Es wurde Kunst gemacht, Kunst veranstaltet, über Kunst und ihre Entstehungs- und Förderbedingungen debattiert; die Café-Bar Turnhalle war Treffpunkt und Aufenthaltsraum für Kulturinteressierte, aber auch für Besucher, die nichts mit Kunst am Hut hatten.

Der PROGR wurde zu einem Stimmungsbild für alle, die darin arbeiteten, sich austauschten, Projekte realisierten, lebten. Der PROGR war niemals Konkurrenz für etablierte Institutionen wie die Kunsthalle oder das Kunstmuseum. Innerhalb des PROGR gab es eine intensive Zusammenarbeit unter den Künstlerinnen und Künstlern und den Institutionen im Haus. Experimentelles und Interdisziplinäres wurde gefördert und präsentiert. Das ganze Gebäude vom Keller (Musikräume) bis in den Estrich (Performances) konnte bespielt werden. – Zur Webseite der PROGR-Zwischennutzung

2007—2009

Mitte 2007 wurde seitens der Stadt ein Architekten- und Investorenwettbewerb lanciert, um die zukünftige Nutzung des Gebäudes nach Ablauf der kulturellen Zwischennutzung zu bestimmen. Wer mitmachen wollte, brauchte mehr als bloss Visionen. Es brauchte Konzepte mit einer intelligenten Mischnutzung, einem hohen finanziellen Ertrag, um auch die notwendige Sanierung der Standsteinfassade zu ermöglichen. Die Jury entschied sich im Frühling 2008 für das Projekt «Doppelpunkt» der Zürcher Investorin Allreal AG. Am Standort des PROGR wollte sie ein Gesundheitszentrum realisieren.

Da der Kaufpreis der Liegenschaft bei weitem nicht so hoch war wie ursprünglich angenommen, lancierte eine Künstlergruppe (Peter Aerschmann, Matthias Kuhn, Adriana Stadler, Andrea Leila Kühni, Marc Stucki, Sophie Schmidt and Rodja Galli) die Initiative «Pro PROGR». Die Gruppe unterbreitete dem Stadtrat einen Entwurf für ein eigenes Projekt. Sie wollte die Liegenschaft am Waisenhausplatz zu den gleichen finanziellen Bedingungen übernehmen, wie sie der Allreal AG angeboten worden waren. Der Stadtrat beschloss den Künstlern bis Ende 2008 Zeit zu geben, um das Kaufangebot zu konkretisieren. Es galt, 12 Millionen Franken für die Renovation, die Instandhaltung des Gebäudes und den Betrieb des Atelierhauses zusammenzubringen. Innerhalb von nur knapp 3 Monaten gelang das Kunststück, die geforderte Finanzierung nachzuweisen.

Eine mitreissende Kampagne der Künstlerinnen und Künstler im Vorfeld des Abstimmungssonntags folgte, an dem das Berner Volk in einer Alternativabstimmung über die Zukunft des Gebäudes am Waisenhausplatz 30 entscheiden sollte. Am 17. Mai 2009 stimmten die Berner und Bernerinnen mit 66% «Ja» für die Weiterführung des Projekts PROGR. Was als temporäre Zwischenlösung für Kulturschaffende begonnen hatte, konnte einer langfristigen Nutzung durch Kulturschaffende zugeführt werden.  – Zur Webseite «Pro PROGR»

PROGR bleibt.
1. August 2009—31. Juli 2039

Eine Woche nach dem erfolgreichen Abstimmungskampf wurde die Stiftung PROGR gegründet. Am 1. August 2009 übernahm sie die Liegenschaft im Baurecht für 30 Jahre. Ihr Hauptzweck ist es, Kulturschaffenden Werkraum zu erschwinglichen Preisen in einem inspirierenden Umfeld zur Verfügung zu stellen.

Nach einer Übergangsphase von 6 Monaten übernahm die Stiftung PROGR am 1. Januar 2010 die definitive Betriebsführung. In den 5 Jahren der Zwischennutzung war im PROGR etwas Einzigartiges entstanden, das auch unter der neuen PROGR-Führung weitergelebt und entwickelt werden soll: Künstlerinnen und Künstler aller Sparten arbeiten in über 80 Ateliers Tür an Tür zusammen mit den eingemieteten Kulturinstitutionen und Veranstaltern. Durch die Veranstaltungsräume werden Verbindungen zur Öffentlichkeit hergestellt.

Freun­­des­­kreis

Freundeskreis

Als Mitglied des Vereins Freundeskreis PROGR unterstützt Du Projekte der Kunstschaffenden im PROGR, erhältst Einblick in die Ateliers, kannst an Künstlergesprächen und Ausstellungseröffnungen teilnehmen; profitierst von vergünstigten Konzertbesuchen und dem Austausch mit den anderen Mitgliedern. Daneben trägt der Freundeskreis das Atelierhaus ideell mit.

Jährlicher Mitgliederbeitrag

Einzelmitglieder50 CHF
Paarmitglieder80 CHF
Gönnermitgliederab 100 CHF

Schicke Dein Interesse an einer Mitgliedschaft an:

Kontakt

Freundeskreis PROGR
Carola Ertle Ketterer
Präsidentin
Waisenhausplatz 30
3011 Bern

Jahres­bericht

Ein grosses Jubiläumsfest, ein neuer Auftritt und eine intensive Auseinandersetzung mit dem PROGR-Hof prägten das Jahr 2019.

15 Jahre PROGR

Vor genau 15 Jahren sind die ersten Kunstschaffenden in den PROGR eingezogen. Der PROGR, zuerst nur als Zwischennutzung gedacht, ist heute eine feste Grösse in der Berner Kulturlandschaft und wurde vor 10 Jahren von der Stiftung PROGR im Baurecht übernommen – und das soll gefeiert werden!

Mit dem Claim «Kultur. Macht. Raum.» starteten wir anfangs Sommer eine grosse Plakat- und Flyer-Kampagne. Mit einer Mischung von Bildern aus der Zeit der Zwischennutzung und von aktuellen Arbeiten der heutigen Mieter*innen wollten wir den PROGR als Atelierhaus und Zentrum für Kulturproduktion in der breiten Bevölkerung wieder sichtbar machen. Die drei Wörter «Kultur. Macht. Raum.» liessen viel Raum für Assoziationen und lösten, nicht nur innerhalb des PROGR, spannende Diskussionen aus.

 

Am 17. August dann das grosse Jubiläumsfest!
Eröffnet wurde es mit einem Fensterkonzert, dirigiert vom Stimmkünstler Andreas Schaerer. Rund 60 Musiker*innen musizierten aus 30 Fenstern - ein riesiges Klang- und Geräuschspektakel. Weiter ging es mit Konzerten und Performances in allen möglichen Ecken des PROGR. Zudem gab es ein Kino, eine StockWerk-Ausstellung und ein «Buschtelefon» mit Arbeiten von Gestalter*innen und Texter*innen.

Mit insgesamt 73 beteiligten Künstler*innen aus allen möglichen Sparten und rund 1000 Besucher*innen gelang uns an diesem Abend ein wunderbares Festival der Künste und zeigte den PROGR in seiner Vielfalt und Farbigkeit.

Aeiou mit Karin Ospelt (Vocals, Synth & Tarang), Oli Kuster (Synths), Kevin Chesham (Drums)
© Martin Bichsel
WINDOWS 19 - Fensterkonzert, dirigiert von Andreas Schaerer
© Martin Bichsel
Contact Improvisation in Transition mit Peter Aerni, Adrian Russi, Tinu Hettich, Simea Cavelti, Annemarie Kaufmann, Sunita Asnani, Martina Huber, Rosina Campiche
© Martin Bichsel
Buschtelefon: Ausstellung der Resultate eines iterativen Wechselspiels zwischen Text und Grafik. Text: Julien Bouissoux, Hannes Liechti, Barbara Boss, Julia Haenni. Grafik: Katharina Reidy, B&R, Billy Ben, Salzmann Gertsch
© Martin Bichsel
bigger than life: Spoken Words and Sounds mit Julia Haenni und Dominik Blumer
© Martin Bichsel
Kapelle Clairmont mit Beat Feller (Guitar, Piano, Electronics), Dieter Seibt (Bass)
© Martin Bichsel
Paradisco mit Katharina Reidy (Vocals, Electronics), Lea Heimann (Vocals, Keys)
© Martin Bichsel
Eret & Squishy Boyz mit Basil Anliker (Vocals), Fabian Bürgi (Drums), Fabian M. Mueller (Piano), Daniel Jakob (Electronics)
© Martin Bichsel

Neuer Auftritt

Im August, gerade rechtzeitig zum Jubliläumsfest, wurde die neue PROGR-Webseite aufgeschaltet. Der neue Auftritt zeichnet sich unter anderem durch seine Dynamik aus - die Inhalte werden beispielsweise jeweils in zwei Farben, automatisch generiert aus über 100 Farbkombinationen, angezeigt. Dies drückt auf eine schöne Art die Vielfältigkeit und Wandelbarkeit des PROGR aus.

Auf der neuen Webseite rückt neben den Informationen zum PROGR und einem Veranstaltungskalender das künstlerische Schaffen der Mieter*innen ins Zentrum. Die Mieter*innen haben neu die Möglichkeit, mit Bildern und Videos ihre Arbeiten zu zeigen und laufend zu aktualisieren.

Den drei Gestalter*innen und PROGR-Mieter*innen Nils Braun, Bénédict Rohrer und Katharina Reidy ist neben dem neuen Web-Auftritt auch ein sanftes, aber durchaus prägnantes Redesign des PROGR-Logos gelungen.
Das Grundelement des alten Logos wurde übernommen und neu gestaltet. Das Logo entwickelte sich von der «Zielscheibe» zum «Kern» und von der geometrischen zur freien Form. Wie bei der Webseite besteht das Farbkonzept aus frei wählbaren Farbkombinationen und kann bei der Verwendung des Logos frei angepasst werden.

PROGR Hof

Der Stiftungsrat hat Ende 2018 beschlossen, einen Hof-Prozess einzuleiten und der Frage nachzugehen, wie der Innenhof in Zukunft von den verschiedenen Nutzergruppe mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Verhaltensweisen möglichst konfliktfrei genutzt werden kann.

Nachdem der Stiftungsrat Anfangs März 2019 in einem ersten Workshop mit der «Mission Kassandra» (Lukas Hohler, Stefanie Gfeller, Sam Nüesch, Cédric Zaugg) ein Zukunftsbild für den Hof entwickelte, wurde dieses in einem zweiten Workshop Mitte April allen Mieter*innen vorgestellt und von den Teilnehmenden ergänzt. Zusammenfassend wurden folgende Wünsche formuliert: Der Innenhof soll bewusst gestaltet werden und wandelbar bleiben. Kultur soll präsent sein und den Platz beleben. Der Innenhof soll ein einladender Ort und Treffpunkt für alle sein.

Der Hof wird allgemein als öffentlicher Platz wahrgenommen und ist ein geschätzter Freiraum, gerade auch für Jugendliche. Leider wurden Littering und Dealerei zunehmend zu einem Problem. Um auf das Abfallproblem aufmerksam zu machen, lancierten wir für eine Woche einen Putzstreik. Gleichzeitig führten wir drei Wochen lang tägliche Hofrundgänge durch. Das PROGR-Team und die Mieter*innen traten mit den Besucher*innen in Kontakt, machten sie auf die neu erarbeiteten Hofregeln aufmerksam und vermittelten in Gesprächen die gewünschte Hof-Kultur.

Für die neue Gestaltung des Innenhofs erteilte der Stiftungsrat im Herbst dem Architekten Fritz Schär und dem Landschaftsarchitekten Maurus Schifferli den Auftrag, Entscheidungsgrundlagen und Varianten im Umgang mit dem Innenhof zu erarbeiten. Ende 2019 präsentieren die Architekten ihren Bericht dem Stiftungsrat. Darin empfehlen sie, dass die Gestaltung des Innenhofs aufs Wesentliche reduziert werden soll, die Privatisierung gewisser Bereiche möglichst aufgehoben wird und dass ein mobiles Objekt für Kunst und Kulturpräsentationen entwickelt werden soll.
Der Stiftungsrat hat beschlossen, den Empfehlungen zu folgen und die Umsetzung in die Wege zuleiten.

 

Atelier 266, Sarah Hugentobler «Grüne Hunde (zum Frauenstreik 14.Juni 2019)»
Atelier 209, Regieraum von Christoph Utzinger und Joël Cormier

Im PROGR

2019 wurden im PROGR insgesamt zwei Atelier frei und öffentlich ausgeschrieben. Im Mai wurde das Atelier 209 neu an die beiden Tonmeister Christoph Utzinger und Joël Cormier vergeben und Ende Jahr wählte die Atelier-Jury die Videokünstlerin Sarah Hugentobler als neue Mieterin für das kleine Atelier 266.

Auch in diesem Jahr besuchten Mitglieder des Stiftungsrats und der Atelierjury Künstler*innen in ihren Ateliers. 2019 fanden insgesamt 24 Atelierbesuche statt.
Im Sommer entschied der Stiftungsrat, dass die Vereine und Institutionen, sowie die Mieter*innen der öffentlichen Zone, jeweils von zwei Stiftungsratsmitgliedern besucht werden sollen. Anders als bei den Künster*innen-Ateliers werden diese Räume nicht von der Atelierjury, sondern direkt vom Stiftungsrat vergeben. Diese Besuche sollen im nächsten Jahr durchgeführt werden.

Stiftungsrat und PROGR – Team

Im Februar 2019 wurde der Künstler und ausgebildete Architekt Ronny Hardliz neu in den Stiftungsrat gewählt. Ronny Hardliz übernimmt innerhalb des Stiftungsrats das Ressort Bau und Unterhalt. Zudem wurde in diesem Jahr Sibyl Matter, langjähriges Stiftungsratsmitglied, zur Vizepräsidentin der Stiftung PROGR gewählt.
Das Team der Geschäftstelle bleibt mit Silvia Hofer (Geschäftsleiterin), Daniela Nötzli (Veranstaltungskoordinatorin), Lorenz Keller (Abwart) und Arife Terziu (Reinigung) unverändert.

2018

Rückblick auf 2018

Auch in diesem Jahr verfolgte der Stiftungsrat seine auf Grund der 2016 erfolgten Standortbestimmung festgelegte Strategie weiter. Je ein Mitglied des Stiftungsrates und der Jury für Ateliervergabe besuchten 2018 gemeinsam mit der Geschäftsleitung insgesamt 15 Ateliers. Folgende Fragen sollten geklärt werden: Werden die Ateliers für professionelle Kulturproduktion genutzt, regelmässig und als Hauptarbeitsplatz, wie es im Mietvertrag festgelegt ist? Welche Formen von Kulturproduktion sind im PROGR vorhanden? Fehlt etwas?

Die Atelierbesuche erwiesen sich für alle Seiten erneut als sehr bereichernd. Für Stiftungsrat und Jury waren es wertvolle Einblicke in die Arbeit der Kulturschaffenden und den Mikrokosmos von Ateliergemeinschaften. Die Mieter*innen konnten ihrerseits offene Fragen klären, die Absichten des Stiftungsrats kennenlernen und Wünsche oder Tipps vermitteln. Ganz allgemein entwickelten sich daraus spannende Diskussionen über optimale Rahmenbedingungen für die Arbeit als Kulturproduzent*innen. Wie erwartet werden die meisten Ateliers so genutzt, wie es im Mietvertrag festgelegt ist – als Hauptarbeitsort für die professionelle Kulturproduktion. In einigen Ateliers wurden als Folge der Atelierbesuche die Mietverträge mit einem Teil der Mieterschaft aufgelöst. Im Gegensatz zum Vorjahr musste keine Kündigung ausgesprochen werden. 
Besonders geschätzt wurde von den Mieter*innen der bis anhin teureren Ateliers die Vereinheitlichung der Mietpreise für Künstler*innen und somit die Reduktion ihrer Mieten um rund einen Drittel per Juli 2017. Erfreulicherweise zeigt der Abschluss 2018, dass die Stiftung diese Verminderung der Mieteinnahmen gut auffangen kann. Der Stiftungsrat beschloss, dass die Atelierbesuche 2019 auch auf die Institutionen ausgedehnt werden soll.

2018 wurden drei Projekte umgesetzt, die auf der Kommunikationsebene anzusiedeln sind. Im Sommer wurde die Signaletik des PROGR neu konzipiert und von der Agentur nulleins realisiert. Mit Wegweisern im Hof werden Besuchende auf die richtigen Eingänge geleitet, diese sind gut sichtbar angeschrieben. In jedem Treppenhaus und auf jedem Stock sind Infotafeln und Wegweiser angebracht, die die Orientierung im Haus massiv verbessern. 

Gleichzeitig wurde die Erarbeitung einer Kommunikationsstrategie an die Hand genommen. Mit zahlreichen Interviews wurde die Innen- und Aussensicht mit der Eigenwahrnehmung der Stiftung abgeglichen. Interessant war die Erkenntnis, dass die langjährigen Mieter*innen ein starkes Zugehörigkeitsgefühl zum PROGR haben (der PROGR sind wir) während die neuen, meist jüngeren Kunstschaffenden sich eher als Mieter*innen empfinden und den PROGR als günstig gelegenen Arbeitsort mit hohem Vernetzungspotenzial sehen. 

Einigermassen verblüffend ist zudem, dass die meisten befragten Personen aus Bern annehmen, dass der PROGR von der Stadt subventioniert ist während ausserkantonale (meist in der Förderung tätige) Personen denken, der PROGR sei ein Projekt der Stadt. Hier gibt es noch grosse Aufklärungsarbeit zu leisten. 

Das Kommunikationskonzept enthält verschiedene Massnahmen, die auf die Verbesserung der Sichtbarkeit mittels öffentlichen Anlässen, der digitalen Kommunikation (Website, Social Media), der Medienarbeit und des kulturpolitischen Diskurses zielen, sowie Ideen, wie die Zusammenarbeit mit Wirtschaft und Bildungsinstitutionen initiiert werden könnte. 

Der Stiftungsrat beschloss im Juni 2018, das Kommunikationskonzept zu Handen der per Herbst 2018 neu zu wählenden Geschäftsleitung zu verabschieden, die Arbeiten zu einer neuen Website jedoch sofort in Angriff zu nehmen. Die Geschäftsleitung schrieb einen hausinternen Wettbewerb aus, der vom Dreierteam Bénédict Rohrer, Katharina Reidy und Nils Braun gewonnen wurde. Die Arbeiten wurden im Herbst 2018 aufgenommen, die Aufschaltung der neuen Website wird im Sommer 2019 erfolgen. 

© superballprogr
© superballprogr
© superballprogr

Ebenfalls als Kommunikationsmassnahme wurde «SUPERBALL», die qWM 2018 organisiert. Es war der Versuch, die Fussball-WM 2018 mit Kulturproduktion, Anliegen von LGBTQIA und politischen Anliegen zu vereinigen. Der Performancekünstler und Kulturaktivist Martin Schick wurde mit der Konzipierung beauftragt. 

Im PROGR-Hof wurde ein Container zur Bühne und eine schräge Fläche mit rosa Teppich zur Zuschauer*innen-Tribüne umfunktioniert. 

Rund um die Fussballspiele fanden Events und Aktivitäten statt: 

Das Wort zum Fussball von Oliver Aebischer, Panel von Amesty International, ausgewählte Filme von Queersicht, Superheldinnen-Pop von Paradisco, Performance mit Worten und Lärm von Mirko Schwab, Clemens Kuratle & Emmanuel Bundi, Performance von Eva Rolli und Eve Lyn Scheiben, die Fotoaktion «Kopfüber in Nowosibirsk» von Martin Bichsel, eine Videoinstallation von Anna Tolkatcheva, eine EF-Feminity Trainingssession mit Chris Leuenberger und Marcel Schwand inkl. Handtäschliwerfen und Gummitwist, ein Gespräch mit dem Super-League Schiedsrichter Pascal Erlachner, Konzerte von der Camerata Bern, Fashiondesign inkl. Show mit Tom van der Borght, eine Performance mit Natascha Moschini und Marie Popall, DJ-Abende mit BarOmeter, ccSPORT-Camp in Residence mit 4 Künstler aus 4 Ländern, Filme und Ausstellungen des Künstlerkollektivs Chto Delat aus Petersburg,  Panini-Bilder basteln mit Cafe CosmoPolis, ein Drag Workshop mit Evalyn Eadith, Petting goes Classic mit Simon Bucher und Stephanie Szanto, Russischstunden für Anfänger, Depro-Pop mit DNA, Open Studio mit Artem Filatov und Vladimir Logutov, Debatte mit Lucify, Supertrailer von Matteo Taramelli, Innenleben eines Balls von Peter Aerschmann, Pop Up Cocktail Bar mit Roland Fischer, filmische Dokumentationen von Annemarie Haller und Ulli Decker. Und den Superflizern, die bei jedem Spiel den Hof durchquerten.

Dieses reichhaltige Programm stand in Konkurrenz zum heissen Wetter, der warmen Aare und dem allgegenwärtigen Fussballfest. Vor allem die Anlässe im Innern des Hauses hatten einen schweren Stand. Deshalb wurden zum Beispiel die Camerata Konzerte kurzfristig in den Hof verlegt, was zu wunderschönen Prologen der Fussballspiele führte. Fussballfans wurden mit Musik, Russischkursen, Konzerten und einer Fashionshow konfrontiert, die sie vielleicht nicht gesucht hätten. 

Vor den Matches und in den Pausen wurden Trailers von Matteo Taramelli und Amnesty, das Video von Peter Aerschmann und im Laufe des Monats auch die entstandenen Fotos von Martin Bichsel und die Dokumentation von Anne-Marie Haller gezeigt. 

Die Reaktionen waren überwiegend positiv. Nur der Flitzer sorgte hie und da für Konsternation. Zu Beginn wurde er gar von den Securities verfolgt, weil sie nicht über diesen Programmpunkt informiert wurden. 

Der Superball-Monat hat gezeigt, dass die meisten in den Hof strömen, um die Matches zu sehen. Es ist sicher richtig, die Fussball-Events mit Kunst und Kultur zu umgarnen. Es braucht aber mehr als einen Anlauf, um dieses Konzept in den Köpfen der Besuchenden zu verankern. Die Stiftung wird sich überlegen müssen, ob sie diese Schiene weiter fahren oder alternativ dazu eine fussballfreie Zone einrichten will. Die Umfrage von 2016 hat klar ergeben, dass sich die Mehrheit der Mieter*innen entweder eine Einbettung von oder einen Verzicht auf grosse Sportviewings wünscht. 

Der Hof bleibt auch 2018 eine Problemzone. Deshalb hat der Stiftungsrat Ende des Jahres beschlossen, einen Prozess einzuleiten und der Frage nachzugehen, wie der PROGR-Innenhof in Zukunft von den verschiedenen Nutzergruppen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Verhaltensweisen möglichst konfliktfrei genutzt werden kann.

Im Oktober 2018 verliess Franziska Burkhardt den PROGR. Sie hat die Stiftung PROGR mit Erfahrung, Offenheit und Wissen einen grossen Schritt weitergebracht. Der Stiftungsrat bedankt sich herzlich für Franziskas wertvollen und unermüdlichen Einsatz für den PROGR und wünscht ihr viel Freude und Erfolg in ihrer neuen Position als Kulturbeauftragte der Stadt Bern. Der Stiftungsrat wählte Silvia Hofer per 1. November 2018 zur neuen Geschäftsleiterin des PROGR. 

Jahresrechnung 2018_web.pdf